Wechsel an der Firmenspitze

Wenige Wochen nach seinem 84. Geburtstag stirbt Ingenieur Anton Kathrein im Juni 1972. Sein damals gerade erst 21 Jahre alter Sohn tritt die Nachfolge an die Firmenspitze an. Seine Kindheit und Jugend waren stark von der Firma geprägt. Der junge Wirtschaftswissenschaftler ist quasi im Unternehmen groß geworden. Auch er verfügt über den Weitblick, das sichere Händchen für Chancen und die scharfe unternehmerische Intelligenz des Vaters.

Wirtschaftskrise belastet auch Kathrein

Von Anfang an beweist Prof. Dr. Anton Kathrein visionären Geist gepaart mit Zähigkeit und Charakterstärke – und das ist auch notwendig. Anfang der 1970er-Jahre stößt die Wohlstandsgesellschaft in Deutschland erstmals an ihre Grenzen. Die Ölkrise 1973 markiert das Ende des Wirtschaftswunders. In der Folge treten bis dato weitgehend unbekannte Erscheinungen auf, etwa Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und steigende Sozialausgaben. 1974, nur zwei Jahre nachdem er so plötzlich geschäftsführender Gesellschafter der Firma geworden war, steht Kathrein am Abgrund. Seine Banken verweigern angesichts der weltweit schwachen Wirtschaft weitere Kredite. Nur durch energische Vertriebsmaßnahmen kann der junge Unternehmer seine Firma über Wasser halten. Ab diesem Zeitpunkt vertraut er nie mehr fremden Banken und macht sich unabhängig. Das geht so weit, dass er seine eigene Bank gründet, die Erste Rosenheimer Privatbank AG.

Technisch gesehen wird Kathrein weiter seiner Vorreiterrolle in der Kommunikationstechnik gerecht: Der Firmenchef hat – wie sein Vater – ein Händchen dafür, Marktchancen zu erkennen und diese zum Erfolg zu führen. Mitte der 1970er-Jahre bringt das Unternehmen beispielsweise die ersten TV-Antennen für Wohnwägen und Wohnmobile auf den Markt. Fernsehen ist damit im Urlaub auch unterwegs möglich.

 

Unsere Tradition verpflichtet uns zur Kreativität für morgen. (Prof. Dr. Anton Kathrein)

Satelliten-TV verändert die Fernsehlandschaft

Mit seinem Spürsinn erkennt Kathrein zudem, was als nächstes großes Thema ansteht: Satellitenfernsehen wird die deutsche Fernsehlandschaft revolutionieren und Kathrein soll dabei eine tragende Säule sein. 1977 wird bei der Weltfunkkonferenz in Genf ein weltweiter Rundfunk-Satellitenplan beschlossen. Kathrein definiert zum ersten Mal die Satellitenpositionierung einzelner Länder. Er beschließt, die neuen technischen Möglichkeiten der Satellitenempfangstechnik unternehmerisch zu nutzen.

Mitte der 1980er dann ist die Erwartungshaltung der Industrie für einen baldigen Durchbruch des Satellitenfernsehens am Massenmarkt durch kompakte TV-Sat-Empfangsanlagen sehr groß: Kathrein lässt 1987 den Werbespruch „Das Fernsehen hat Flügel bekommen mit KATHREIN-SatAn“ rechtlich schützen. Tatsächlich lässt der Durchbruch des Satellitenfernsehens bis 1989 auf sich warten. Zu dem Zeitpunkt werden auf dem Satelliten ASTRA 1 die ersten Programme aufgeschaltet.  Die ersten deutschen Programme sind Sat.1, Pro 7 und RTLplus.